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FLUSSQUELLEN, KUTLURQUELLEN
Die Biebrza dürfte aufgrund ihrer Ursprünglichkeit eines der reizvollsten ornithologischen Reiseziele in Europa sein. Die die Biebrza umgebende Natur lässt uns ihre Macht spüren. Aber das Biebrza Tal, ist nicht nur für sein Naturerbe, sondern auch für seine Geschichte, seine gesellschaftlichen, kulturellen und religiösen Ausprägungen im Verlauf der Jahrhunderte bekannt geworden. Das zeigen vor allem die immer noch hier lebenden Leute. Die Beschäftigung mit der Geschichte dieser Region, ermöglicht es uns diesen Ort besser zu verstehen. Nur dann breitet sich der ganze Reichtum der Biebrza vor uns aus.
| Landhaus in Kamienna Nowa | 
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Der obere Teil der Biebrza ist der Sitz von drei Gemeinden: Nowy Dwór, Lipsk und Dąbrowa Białostocka. Vom frühen Mittelalter bis zum XIV Jahrhundert waren diese Gebiete die südliche Grenze des Jacwing Landes. Danach kam es in Folge von Angriffen der Kreuzritter zur Vertreibung der Bevölkerung. Der Anfang des XV Jahrhundert war durch einen neuen Siedlerzufluss gekennzeichnet: Vor allem von Masowiern, Litauern und Russen von Czarna Ruś. Da diese Gebiete dem Großherzogtum Litauen angeschlossen wurden. In dieser Zeit fing die regelmäßige wirtschaftliche Erschließung und Besiedlung des riesigen Grodzieńska Urwalds gefördert durch Maßnahmen wie z.B. Landverschenkung für die Bojaren (altrussischen und litauischen Adeligen) an. Die Bojaren haben hier ihre Hörigen mitgebracht, die als Förster, Waldbienenzüchter, Mäher oder Fischer arbeiteten. Man fing an Fürstenhöfe und sie beliefernde Dörfer zu bilden. Als Resultat sind viele kleine Städtchen entstanden, die sich als Handelszentren entwickelt haben. So ist Ende des XV Jahrhunderts Nowy Dwór Biały (heute als Nowy Dwór bekannt), Mitte des XVI Jahrhunderts das Dorf Dubrawa (heute als Dąbrowa Białostocka bekannt) entstanden. Im Jahr 1580 erließ Stefan Batory ein Dekret, wonach die Stadt Lipsk aus einer kleinen Siedlung gegründet wurde. Die Ansiedlung wurde von der Ausbreitung der römisch-katholischen und orthodoxen Religion begleitet, die später in die Union der Uniten umgewandelt wurde. Die Orthodoxen des Großfürstentums Litauen und Polens erkannten die Oberhoheit des Papstes und die katholischen Dogmen an, bewahrten aber ihre Rituale. Im Laufe der Zeit wurden die Anhänger der Union als Uniten bekannt. Neue Ansiedlungswellen kamen nach den Kriegen im XVII und XVIII Jahrhundert. Besonders zahlreich wurde dann die jüdische Bevölkerung, die sich bis zum II Weltkrieg in Polen sehr wohl fühlte. An diese Zeiten erinnert in Lipsk ein gut erhaltener Kirkut.
Eine sehr wichtige Rolle in der Geschichte haben die Teilungen Polens gespielt. In deren Folge wurde das Biebrza Land für viele Jahr das Grenzgebiet zwischen dem Polnischen Königreich und dem Russischen Reich. Die Uniten wurden zum orthodoxen Glauben zwangsbekehrt. Erst im Jahr 1905 erließ der Zar einen Ukas, der den Uniten ihre Rechte zur Glaubensfreiheit einräumte. Die Mehrheit der Bewohner ist dann wieder zum römisch -katholischen Glauben zurückgekehrt. Als Andenken an diese Zeit kann man heute die Pfarrkirche in Rygałówka bewundern. Die orthodoxe Kirche wurde zur katholischen Kirche umgebaut, behielt jedoch die orthodoxe Architektur.
Nach dem ersten Weltkrieg gehörten diese Gebiete vollständig zu Polen. Das Ende des zweiten Weltkrieges brachte die Teilung der westlichen Grodzieńska Gemeinde. Der westliche Teil, der in Polen blieb wurde von der Hauptstadt der Gemeinde Grodno (die Stadt die Weißrussland zugeteilt wurde) abgeschnitten.
Dieser kurze historische Abriss zeigt wie es zu einer Begegnung zwischen verschiedenen ethnischen, religiösen, kulturellen und sprachlichen Gruppen kam. Das war ein sehr wichtiger Prozess, der ganz Ost-Polen betroffen hatte mit vielen Facetten aber einem gemeinsamen Resultat – der Entstehung einer multi-kulturellen Gesellschaft. Harmonie, Respekt und offene Weltanschauung führten zu einer Völkerintegration und zu einem gemeinsamen Kulturerbe. Die eigene Identität wurde verstanden als die Zugehörigkeit zum Land, war kein Dialoghindernis und verhinderte nicht die Religions- und Traditionsvielfalt. Das Motto „von hier zu sein, Einheimischer zu sein“ hat das Leben von den früher hier lebenden Menschen bestimmt. Im oberen Biebrza Tal, entstand auf Grund der historischen und gesellschaftlichen Prozesse eine gemeinsame kulturelle und nationale Identität mit religiöser Vielfalt.
Zeugen aus früheren Zeiten sind bis heute erhaltene Religionen und Tempel u.a.: Die älteste Kirche der Region Podlasie in Kamienna Stara vom 1610 und die orthodoxe Kirche in Jaczno. Das beste Beispiel des kulturellen Dialogs ist die immer noch bestehende Zweisprachigkeit. Neben der polnischen Sprache besteht der ostslavische Dialekt – eine einfache Sprache, die man nur noch in den Dörfern hören kann. Der Dialekt verschwindet aber mit der vorandrängen Zivilisation und ist wird von den jungen Leuten als rückständig angesehen.
| Pfarrkirche in Kamienna Stara | 
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Die Kulturbegegnung ist ein Phänomen auf mehreren Ebenen – gegenseitige Wechselwirkung, Übernahme der kulturellen Wurzeln, ihre Bearbeitung und Vereinigung. Die Kultur dieser Gegend ist als Resultat komplizierter Prozesse entstanden. Was kann man von dieser Zeit heute noch sehen? Bis heute hat nicht viel von der damaligen Landschaft und dem Alltagsleben überlebt. Als kleines Beispiel können die Einflüsse der im XVI Jahrhundert eingeführten wirtschaftlichen Reformen dienen: z.B. die Inventurreform nach der Seriendörfer entstanden sind. Die Häuser in den Dörfern sollten alle mit der Spitze zur Straße stehen.
| Dorf Szuszalewo | 
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Als Beispiel für die frühere Ästhetik soll der Bau der Häuser, mit charakteristischen dekorativen Ecksteinen und Fenstern, und einem manchmal noch mit Stroh bedeckten Dach dienen. In manchen Dörfern trifft man historische Bauernhofgebäude aus Stein oder Holz, z.B. Scheunen so genannte adryny oder Speicher świronki genannt. An deren Wänden hängen teilweise noch alte Werkzeuge wie rezgini zum Heu tragen oder wiejałka zur Getreidereinigung. In den Städten blieb das im XVI Jahrhundert eingeführte Straßen- und Platzsystem (Lipsk und Nowy Dwór – Stadtstatus in den Jahren 1578-1934) erhalten.
An den Wegen stehen Kreuze aus Holz, einige davon wurden als Dankeschön aufgestellt, andere um die Menschen vor Krankheiten zu schützen oder aus Dankbarkeit für eine Genesung. Gemäß einer Tradition umwickelte man Kreuze mit Leinen um sie dann zu begraben.
| Scheuer (Ardyna) in Nowy Dwór | 
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Lipsk ist hier ein bekanntes Kulturzentrum. Der größte Ruhm der Stadt kommt von der Tradition Ostereier zu bemalen, die von vielen heimischen Künstlern kultiviert wird. Früher schmückte man während der Karwoche hart gekochte Eier mit Bienenwachs. Mit Hilfe eines Holzstäbchens oder der Stecknadelspitze dekorierte man mit dem heißen Bienenwachs die Schale. Auf diese Weise entstanden traditionelle Muster und Dekorationen, die in der einheimischen Sprache als Hundepfötchen, dzieraszka, bacianiuczki oder Sönnchen bezeichnet wurden. Nachdem das Wachsmuster aufgetragen wurde, wurden die Eier mit natürlichen Farbstoffen, unter anderem aus Zwiebelschalen jungem Getreide oder Erlenrinde gewonnen, gefärbt. Nach der Färbung wischte man das auf der Eischale erwärmte Wachs ab. Darunter kamen dann sehr schöne Muster hervor. Die Eier waren Teil des geweihten Ostermahls, oder wurden als Ostergeschenke für die Teilnehmer des Osterumzugs, so genannte wałakonniki benutzt. Heutzutage verwendet man für die Bemalung der Ostereier und des Osterschmucks chemische Farbstoffe und hart gekochte Eier werden durch ausgeblasene Eier ersetzt. Unverändert blieb dafür die Webtechnik aus der Mitte des XIX Jahrhunderts. Besonders geschätzt wird die Herstellung des „Doppelten Webezettels“ aus natürlichem Wollgarn, dass auf den Webstühlen unter Benutzung von zwei Schiffchen und zwei Schussfaden hergestellt wird. Dies ist die schwierigste Webart. Daher kommt der hochgeschätzte Rang der gewebten Stoffe, die früher ein Teil der Mitgift der Braut waren. Zu den Hochzeitsbräuchen gehört auch die Tradition des Backens des Korowaja – eines Hochzeitskuchens. Diese Traditionen wurden von den Frauen von Lipsk beibehalten. Die Zutaten für den Kuchen sind Weizenmehl, Eier, Butter, Zucker und Hefe. Den Korowaj gibt es auf jedem Hochzeitsfest. Er ist stets mit einem geflochtenen Zopf dekoriert- ein Symbol der Jungfräulichkeit, Gänsen und Ähren die Glück und Wohlstand der gegründeten Familie symbolisieren
| Bemalte Ostereier (Die Künstlerin Genowefa Sztukowska) |
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Die Geschichte dieser Gebiete ist eng mit der ethnischen, religiösen und sprachlichen Vielfalt verbunden. Auf dieser Erde wuchs die Grenzkultur und das Bindemittel war der Fluss, der an ihm liegende Gebiete vereinigt hat. Der Fluss spielte eine wichtige Rolle bei der Ansiedlung, dem Leben und der Entwicklung des Menschen. In der Zeit von raublustigen Jacwing Zügen war er ein Verteidigungspuffer. Die Geschichte hat auch in dieser Landschaft ihre Spuren hinterlassen. Die weiten und schwer zugänglichen Biebrza Sümpfe waren schon seit eh und je eine natürliche Verteidigungslinie. In den Zeiten der Besiedlung und Entwicklung war er ein untrennbares Teil der Landschaft und der Wirtschaft und nahm Einfluss auf die Dorf- und Stadtarchitektur, auf den Rhythmus des alltäglichen Leben der Leute, auf ihre Interessen und Prinzipien des Gemeinschaftslebens. Die Menschen hier leben seit Jahrhunderten im Einklang mit dem Rhythmus des Flusses.
| Das Kreuz über dem Biebrza Tal |
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Der Fluss hatte eine besondere Stellung für die lokale Kultur. Der Anfang der Biebrza in der Tradition ist der mit ihr verbundene Name. Der Fluss Biebrza hieß ursprünglich Bobra. Bis heute ist dieser Name in den angrenzenden Dörfern noch gebräuchlich. Der Name kommt von den zahlreichen hier lebenden Biberpopulationen. Der im XIX Jahrhundert fast ausgestorben Biber, regiert heute erneut das Flusstal. Die Flussumgebung hat in der lokalen Sprache aber viele Namen, die sich meist auf konkrete Stellen beziehen. Das sind z.B. Wiesen, solche wie die Große Wiese wielikaja łuka und die Kleine Wiese małaja łuka in der Nähe von Szuszalewo, Stellen am Fluss wie suwiły in der Umgebung von Rogożynek oder auch der kuliańskie Sumpf in der Nähe von Jałowa. Die Namensgebung leitet sich zum Teil aus der Identifizierung der Umwelt ab, zum anderen aber auch aus Elementen der Kultur, der Symbolik und des Glaubens. Deswegen stellt sie eine enorme Quelle des Wissens über die ursprünglichen Bewohner dar. Diese haben alle Vorteile des Flusses genutzt. Viele Jahre war er das Bindeglied zur Außenwelt, ein Kommunikationsmittel und Anstoß zur Handelsentwicklung. Über den Fluss wurde Holz transportiert und Salz und Getreide importiert. Ein Überbleibsel dieses Handels ist die immer noch stehende Wassermühle im Dorf Bobra Wielka.
| Chabotnia i kłomla |
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Der Fluss war seit ewigen Zeiten Ernährer und Arbeitsstelle für Fischer, die rybałowcami genannt werden. Zum Fischfang wurden die unterschiedlichsten Netze benutzt - von den einfachsten wie ganta, wiersza, chabotnia, kłomla, bis zu komplexen entlang des Flusses installierten Anlagen, die jazy genannt wurden. Das hat auch in der lokalen Folklore Spuren hinterlassen. Dies ist ein Volkslied aus einem der Dörfer:
Wyszli rybki wyszli od jazu do jazu,
ja za swoją Hańdzią od pierwszego razu.
Wyszli rybki wyszli tylko okuń został,
proś Boga dziewczyno, żebym Twoim został.
Die Fischlein sind dem Netz entkommen
als ich hab mein Mädel zum ersten mal bekommen.
Die Fische sind weg nur der Barsch blieb da,
bete Mädel dass ich der richtige war.
Es wurde das ganze Jahr hindurch gefischt. Die Fische bekamen ihre Namen oft abhängig von der Fangzeit. So heißt z.B. die Plötze wird sie während der Blütezeit der Obstbäume gefangen sadołka während sie in der Blütezeit der Sumpfdotterblumen łapuchołka genannt wird. Vor dem Zweiten Weltkrieg wurden die Fische hauptsächlich an Juden verkauft. Nach dem Krieg wurden sie in den einheimischen Speiseplan aufgenommen und auf verschiedenste Art zubereitet. In Rogożynek wurden sie in einem großen Backoffen gebraten oder gebacken. In einigen Familien gibt es sie zu Kohl, Roten Beeten oder Sauerampfersuppe. Sehr oft wurden die rohen Fische in Töpfe gelegt und mit Salz gepökelt oder kurz nach dem Fangen ohne sie zu entschuppen am Feuer gegrillt, wie im Dorf Jałowo. In Nowy Lipsk war es sehr populär Hechte zu räuchern. In Koniuszki hat man aus den Köpfen der Hechte Suppe gekocht. Den gut gekochten Kopf hat man sorgfältig gehäutet, da die Tradition besagt, daß sich dort „die Leiden Christi“ – also mehrere Knöchelchen, die mit ihrem Aussehen und der Form an Nagel, Hammer, Zange, Leiter, Krone und Speer erinnerten befanden. So ausgewählte und getrocknete Kopfteile behielt man zu Hause, auf einem Wandbrett unter einem heiligen Bild um diese den Kindern zu zeigen und sie über „die Leiden Christi“ zu unterrichten.
Für die Kinder war die Biebrza ein Spielparadies. Eines der Spiele war im Sommer das Schwimmen in den balejkach (kleine Boote aus Holz) und das Fangen von Fischen und Krebsen mit zu diesem Zweck genähten Netzen. Für die Winterspiele fingen die Vorbereitungen schon im Herbst an. Schon da hat man einen Pfahl in eine feuchte Wiese gerammt und im Winter, wenn das Wasser gefroren war, hat man sich mit einer Stange und der angehängten suczką (Schlittenart) um den Pfahl gedreht. Dieses Spiel nannte man Kreisel (kruciołką). Die Kinder in Rogożynek haben sich eine besondere Beschäftigung ausgedacht – Sie machten aus den getrockneten „Fischseelen“, Christbaumkugeln. Diese wurden dann so bemalt und dekoriert dass sie dem Kopf und Rumpf des Menschen ähnelten.
| Fensterdekorationen in Koniuszki |
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Die Wiesen der Biebrza waren auch ein Ort der Arbeit. Seit langer Zeit wird hier schon der Torf gestochen, der im Winter als Heizmittel dient. Man schnitt ihn mit Hilfe der sztychówka – eine Art Spaten in Ziegelform und legte diese in kleinen Stapeln zusammen. Nach dem Trocknen legte man sie zu großen Stapeln zusammen und transportierte sie schon während der Heuernte. Die trockenen Wiesen mähte man zweimal im Jahr. Das Heu sammelte man in einer Konstruktion die Brog (abaroch) genannt wurde. Diese basierte auf der Form eines Rechtecks oder Quadrates, mit vier gebundenen Pfählen, die man nach oben oder unten mit einem kleinen Dach mit Stroh (heutzutage mit Stahl) bedeckt verschieben konnte. Oft stellt man sie auch auf den Bauernhof. Im Gegensatz dazu benutzte man auf feuchten Wiesen den Schober, der aus adzionek- einer Unterlage aus Stangen oder geschnittenen Stöcken bestand in deren Mitte ein 6-7 Meter langen Pfahl – tykło genannt gerammt wurde, um den herum man das Heu ablegte. Das Gras wurde nur einmal im Jahr gemäht „zwischen den Petern“ also zwischen dem Fest von Peter und Pawel im katholischen und orthodoxen Kalender. Während der sehr anstrengenden Arbeit wurde viel Wasser getrunken. Extra für diesen Zweck grub man Löcher in die Wiese. Das Heu transportierte man im Winter, wenn das gefrorene Eis den Transport erleichterte. Heutzutage hat man das Mähen der feuchten Moorwiesen aufgegeben.
Die Tätigkeiten der Frauen am Fluss konzentrierten sich auf das Wäsche waschen und das Trocknen auf der Wiese. Am Fluss hat man die ersten Schritte der Leinenbearbeitung durchgeführt, also dessen nässen und trocknen.
Auf diese Weise war die Biebrza ständig im Leben ihrer Bewohner anwesend. Der Fluss bestimmte das tägliche Leben und hatte Einfluss auf die Menschen und ihr Benehmen. Der hier mit der Natur in der Symbiose lebende Mensch hat diese Landschaft und die hier ablaufenden Prozesse beträchtlich beeinflusst. Der Fluss hat aber eine außergewöhnliche Bedeutung für die lokale Kultur. Eine Kultur des Grenzgebietes, die slawische und baltische Elemente in sich vereint. Die Vielfalt der ethnischen und religiösen Gemeinschaften hatte eines gemeinsam: Den Fluss. Eine besondere Stellung in ihrer Kultur nahm der Fluss ein. Der Fluss brachte in diese Kultur neue Elemente, die über die Schönheit des Flusses berichteten. Er wurde als integrierter Teil der Kultur gesehen, die eine eigene Symbolik mitbrachte. Er war Teil der seelischen Entwicklung der Menschen, etwas tief verstecktes in ihren Herzen und hatte einen großen Einfluss auf ihre Emotionen und ihre Weltanschauung. Die Menschen die hier wohnen, lernen von Geburt an den Respekt vor der Natur. Diese Gefühle spiegeln sich bei den lokalen Dichtern wider.
Piękna jest biebrzańska okolica,
Dzika Biebrza to jej stolica,
Wokół bagna, mokradła, trzciny,
Przyciągnie każdego zapach tej krainy.
Nim tylko wiosna wyśle swe promienie,
Wszystko się budzi i porusza biebrzańską ziemię,
A gdy słońce na dobre zagości,
Na łąkach kwiatów niezliczone ilości.
Kaczeńce, turzyce, storczyki zapachem się darzą,
Do doliny biebrzańskiej przyjechać Ci każą.
Tu zapachów znajdziesz gamę całą,
Wypogodzisz swą duszyczkę małą,
Nerwy skołatane uspokoisz,
I odpoczywasz jak wolisz.
Gdy pływanie zakończysz łupiną,
Spacerować przestaniesz trzciną,
Ryb nałowisz do syta,
W cieniu brzozy błogi spokój Cię wita.
Tu komarów i bzyków niemiara,
Każdy spokój zachować się stara.
Gęstą płachtą tuman się rozciąga,
W każdą szczelinę biała mgła zagląda,
I jakby dobranoc mówiła każdemu.
Nagle cofa się ku zdziwieniu Twemu,
Może ranek już czuje i promienie słońca,
Tak to już noc dobiega końca.
Budzisz się rano szczęśliwy - wiesz wreszcie,
Że życie chcesz spędzić nad Biebrzą, nie w mieście.
Author: Jan Orpik 2004
| Ah wie schön diese Landschaft ist
wo die wilde Biebrza fließt
Rundherum die Moore, Sümpfe Schilfe
Fühlt sich jeder frei und wild
Wenn des Frühlings erste Strahlen fallen,
sieh wie dann das Land erwacht
Und wenn dann der Sommer da ist
auf den Wiesen hunderttausend Blumen blühn
und der Duft der Blumen Gräser und der Orchideen unsere
Nasen zärtlich lockenduns ins Biebrza Tale führt
Hier umschwebt uns ein gar herrlich Duftgemisch
daß die ganze Seele tröstet und,
die Last des Tages schnell vergessen macht
und man fühlt sich königlich.
Hat man dann nach schöner Bootsfahrt,
Und dem Wandern durch das Schilf
Fische reichlich an der Angel
Lädt die Birke ein zur Pause
bietet Schatten noch und noch.
Hier dann summt und brummt es
von den Mücken rundherum,
Doch ein Jeder wahrt die Ruhe
und genießt des Tages Ende
und die Hektik bleibt hier stumm.
Langsam dann erscheinen Wolken.
und in jede kleinste Ritze schaut der weiße Nebel rein.
wie ein gute Nacht Gruß, wird der letzte Wohl nicht sein
Plötzlich dann und sehr zur Trauer geht er wieder,
ist es etwa schon der Morgen der mit Sonnenstrahlen weckt,
Ja tatsächlich schon die Nacht zu Ende ging.
So erwachst du voll Gewissheit
ja hier will fern der Städte fern der Qual
meine Zeit verbringen ich
in dem schönen Bierbza Tal
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Also sollten wir wenn wir an der Biebrza stehen, versuchen uns vorzustellen wie es hier damals war. Dann sehen wir die Frauen, die den Leinen nässen, Kinder in den kleinen Booten schwimmen und die Männer die dem Vieh zu trinken geben und den ewigen Fluss, der bis heute ununterbrochen fließt. Wir werden Zuschauer eines außergewöhnlichen Spektakels. Dann kommt die Frage. Ist es uns genug nur Zuschauer zu sein?
Marcin Lićwinko
übersetzt von Justyna Sacha
LITERATURVERZEICHNIS:
KOSZTYŁA Z. (red.), 1980. Lipsk nad Biebrzą. Monografia historyczna do 1914r., Białystok.
POKROPEK M., 1979. Zróżnicowanie kulturowe na pograniczu etniczno-językowym i jego odbicie w świadomości mieszkańców na przykładzie pogranicza polsko-białorusko-litewskiego w północno-wschodniej Polsce. W: Etnografia Polski, t. XXIII, z. 2 Warszawa.
POŁUJAŃSKI A., 1859. Wędrówki po guberni augustowskiej w celu naukowym odbyte. Warszawa.
ANTONIEWICZ J. (red.), 1967. Studia i materiały do dziejów Pojezierza Augustowskiego. Białystok.
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